Bibliographical details:
Schüle, A. (2006). Der Prolog der hebräischen Bibel: Der literar- und theologiegeschichtliche Diskurs der Urgeschichte (Genesis 1–11). Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments, vol. 86. Zurich: TVZ.
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Die biblische Urgeschichte erzählt nicht nur von Anfängen, sie ist ein Anfang – derjenige des Alten Testaments, der Hebräischen Bibel. Gemäß der These dieser Studie erfolgte die literarische und theologische Arbeit an der Urgeschichte im Bewusstsein, dass es sich um den Prolog zu einem Textcorpus aus Tora, Propheten und Schriften handelt. Ein diskursiver Durchgang durch Gen 1–11 zeigt die Auseinandersetzung der verschiedenen Stimmen der Urgeschichte (Priesterschrift und nichtpriesterliche Texte) insbesondere mit den prophetischen und weisheitlichen Traditionen, die schließlich im Rahmen des Tanak kanonisiert wurden.
Auch in anderer Hinsicht erweist sich die Urgeschichte als Prolog: Es finden sich Einflüsse mythologischer Traditionen mesopotamischer und griechischer Provenienz. Dies wird dahingehend interpretiert, dass die Autoren der Urgeschichte die literarischen Traditionen Israels und Judas gezielt in den Kontext antiker Literatur zu integrieren suchten.
Andreas Schüle, Dr. phil. Dr. theol. habil., Jahrgang 1968, ist Professor für Altes Testament und biblische Hermeneutik am Union Seminary & Presbyterian School of Christian Education Richmond, Virginia.
Table of contents:
0. EINLEITUNG … 1
0.1 DIE ANFÄNGE DER WELT UND DER BEGINN EINES BUCHES … 1
0.2 ÜBERGREIFEND HERANGEZOGENE LITERATUR … 6
1. ZUR FORSCHUNGSGESCHICHTE … 11
1.1 DAS FORSCHUNGSGESCHICHTLICHE PROBLEM DES JAHWISTEN … 11
1.1.1 Die Frage nach dem Werden einer literarischen Quelle und die Urgeschichte … 11
1.1.2 Unabhängigkeit oder Intertextualität? – Die literarische Einordnung
von J in den Entstehungsprozess des Pentateuch … 14
1.1.3 Modifikationen der Quellen- und Redaktionshypothesen zu J … 20
1.1.4 J als Kommentar zur priesterlichen Urgeschichte … 24
1.1.5 Zusammenfassung … 31
1.2 DIE KOMPOSITION DER URGESCHICHTLICHEN STOFFE IM RAHMEN EINER ERGÄNZUNGSHYPOTHESE … 32
1.3 LITERATUR … 40
2. DIE GENEALOGISCHE THEOLOGIE DER PRIESTERSCHRIFT …43
2.1 DIE TOLEDOTFORMEL UND DER PRIESTERLICHE TEXT … 43
2.2 DIE PRIESTERLICHE GENESIS ALS GESCHICHTSBUCH … 51
2.3 DIE URGESCHICHTE ALS TEIL DER PRIESTERLICHEN GENESIS … 54
2.4 DIE GLIEDERUNGSEBENEN DER PRIESTERLICHEN URGESCHICHTE … 57
3. DIE NATÜRLICHE THEOLOGIE DER PRIESTERSCHRIFT … 59
3.1 ALLGEMEINE MERKMALE NATÜRLICHER THEOLOGIE … 59
3.2 NATÜRLICH-THEOLOGISCHE ELEMENTE DER PRIESTERLICHEN URGESCHICHTE …62
3.2.1 Der Text von Gen 1,1–2,3 … 65
3.2.2 Die mythische Rede vom Anfang und von der Menschenschöpfung …67
3.2.3 Die Urgeschichte als Einweisung in die Tora … 74
3.2.3.2 Fortschreitende Konkretion … 79
3.2.3.3 Sachliche Entsprechungen … 81
3.3 DAS VERSTÄNDNIS DES MENSCHEN ALS BILD GOTTES … 84
3.3.1 Hermeneutische Vorüberlegung … 84
3.3.2 Ebenbildlichkeit und Bilderpolemik … 86
3.3.3 Das Bilderkonzept der Inschrift vom Tell Fekheriye … 89
3.3.4 Die Personwerdung des Menschen als Bild Gottes … 91
3.4 GOTTES FERNE UND DIE KOSMISCHE ORDNUNG … 102
3.5 DAS DOMINIUM TERRAE UND SEINE AUFHEBUNG … 106
3.6 DER KÖNIGLICHE MENSCH? DIE IMAGO DEI IM VERGLEICH MIT PSALM 8 … 117
Exkurs: Der «überlegend-entscheidende Mensch» (maliku amelu) in neubabylonischer Tradition … 121
4. DIE PROPHETISCHE THEOLOGIE DER PRIESTERSCHRIFT … 125
4.1 WELLHAUSENS TRENNUNG VON PROPHETISCHER UND PRIESTERLICHER ÜBERLIEFERUNG … 125
4.2 NEUERE FORSCHUNGSPERSPEKTIVEN … 126
4.3 SCHÖPFUNG ALS WORTGESCHEHEN … 130
4.4 GOTTES ATEM ALS GRENZE DES CHAOS … 134
4.5 ZWISCHENREFLEXION I: DER PROLOGCHARAKTER VON GENESES 1,1–2,3 … 137
4.6 LITERATUR ZU K. 2–4 … 138
5. VON ADAM UND EVA ZU KAIN: DIE WEISHEIT UND IHRE FOLGEN … 149
5.1 DIE MENSCHEN IN EDEN … 149
5.1.1 Der Text von Gen 2,4–3,24 … 149
5.1.2 Synchrones und diachrones Textprofil … 152
5.1.3 Gen 2–3 und die Erzählung vom Urmenschen im Garten Eden … 156
5.1.4 Das Bild wird Mensch … … 161
5.1.4.2 Der Mensch und sein Gegenüber … 168
5.1.4.3 Der Mensch und seine Weisheit … 174
5.2 DIE KAIN-ÜBERLIEFERUNG … 178
5.2.1 Der Text (Gen 4) … 178
5.2.2 Die Kainerzählung als weisheitliche Reflexion auf das Werden des
Gewaltmenschen … 180
5.2.2.2 Exkurs: Gen 4,7 und die stoische Affektenlehre … 189
5.2.3 Die literarische und theologische Interdependenz der Eden- und
der Kain-Erzählung … 191
5.2.4 Die siebenfache Rache für Kain und das priesterliche Tötungsverbot
(Gen 9,5f.) … 199
5.2.5 Zwischen Gottesgarten und Wüstenland: das Leben in Eden als Aufgabe des Menschen … 204
5.2.6 Die Überleitung zur Flutgeschichte: der Kainstammbaum als Genealogie des Gewaltmenschen … 207
5.3 ZWISCHENREFLEXION II: DER PROLOGCHARAKTER DER EDEN-ERZÄHLUNG … 210
5.4 LITERATUR ZU K. 5 … 213
6. DIE ENGELEHEN UND DIE EPOCHALISIERUNG DER URGESCHICHTE … 219
6.1 DER TEXT UND DIE THEMEN VON GEN 6,1-4 … 219
6.2 DER RELIGIONSGESCHICHTLICHE HINTERGRUND VON GEN 6,1-4 … 222
6.3 SCHÖPFUNG ALS ANTHROPOGONIE … 232
6.4 DIE BEGRENZUNG DER MENSCHLICHEN LEBENSDAUER AUF 120 JAHRE … 237
6.5 GOTTES GEIST UND DAS LEBEN … 239
6.6 LITERATUR ZU K.6 … 244
7. DIE SINTFLUTGESCHICHTE … 247
7.1 SYNOPSE DES PRIESTERLICHEN UND NICHT-PRIESTERLICHEN TEXTS VON GEN 6,5–9,17.28 … 247
7.2 DIE STRUKTUR DER PRIESTERLICHEN SINTFLUTGESCHICHTE … 254
7.3 DAS LITERARGESCHICHTLICHE VERHÄLTNIS VON PRIESTERLICHEM UND NICHT-PRIESTERLICHEM TEXT … 258
7.4 DAS THEOLOGISCHE PROFIL DER PRIESTERLICHEN FLUTGESCHICHTE … 260
7.4.1 Die degenerierte und die restaurierte Welt … 260
7.4.2 Die Taxonomie des Lebens: Fleisch, Seele, Geist … 269
7.5 DIE NICHT-PRIESTERLICHEN TEXTE … 271
7.5.1 Die erste Bearbeitungsschicht … 271
7.5.1.2 Die Gerechtigkeit Noahs und das böse Herz … 280
7.5.1.3 Noah als Gegenfigur zu Hiob … 284
7.5.1.4 Der Sinn des Opfers … 287
7.5.1.5 Reinheit … 291
7.5.2 Die zweite Bearbeitungsschicht … 292
7.5.2.1 Korrekturen zur Schöpfungsordnung (7,13-17a) … 2937.5.2.2 Gottesgeist als Lebensatem (7,21-22) … 295
7.5.2.3 Exkurs: Das Problem der Chronologien in Gen 6–9 … 299
8. DIE FLUTERZÄHLUNG UND DAS PROPHETISCHE GESCHICHTSBILD … 303
8.1. DIE PRIESTERLICHE REZEPTION … 303
8.1.1 Gewalt auf der guten Erde. Die Begründung der Sintflut … 303
8.1.2 Zerstreuung (Gen 9,19) – die Umwertung eines Begriffs prophetischer Gerichtspredigt … 311
8.1.3 Noahbund und Neuer Bund … 316
8.2 DIE NICHT-PRIESTERLICHE REZEPTION … 320
8.2.1 YHWHs Reue … 320
8.2.2 YHWH und die mythische Götterwelt … 323
8.2.3 Die Götterwelt im Wandel … 328
8.2.4 Das alte Herz bleibt – Gen 8,20-22 als weisheitliche Kritik am prophetischen Weltbild … 335
8.3 ZWISCHENREFLEXION III: DER PROLOGCHARAKTER DER FLUTGESCHICHTE … 345
8.4 LITERATUR ZU K. 7 U. 8 … 348
9 DIE VÖLKERGESCHICHTE … 355
9.1 DIE VERFLUCHUNG KANAANS … 355
9.1.1 Der Text von Gen 9,20-27 … 355
9.1.2 Die Gliederungsfunktion des Texts als Zäsur zwischen Urzeit und
Völkergeschichte … 355
9.1.3 Die Brüder- als Völkerbeziehungen … 360
9.1.4 Gen 9,20-27 und die deuteronomistische Bannideologie … 364
9.1.5 Israel zwischen Kanaanäern und Großmächten … 366
9.2 DIE VÖLKERTAFEL … 367
9.2.1 Die ethnische Darstellung der Völkerwelt … 372
9.2.2 Die Nimrodepisode … 374
9.2.3 Die zweite Semitenliste (Gen 11,10-26) … 376
10. DIE BABELERZÄHLUNG ALS ABSCHLUSS DER URGESCHICHTE … 379
10.1 DER TEXT VON GEN 11,1-9 … 379
10.2 DIE BEDEUTUNG DER BABELERZÄHLUNG ALS MYTHOS … 380
10.3 DIE NARRATIVE STRUKTUR VON GEN 11,1-9 … 384
10.4 SPRACHVERWIRRUNG ODER ZERSTREUUNG? DIE FRAGE NACH DEM DIACHRONEN TEXTPROFIL … 386
10.5 DER VERLUST DER EINEN SPRACHE … 389
10.5.1 Sprach- und Textsemantik … 389
10.5.2 Sprache als Einheitsmerkmal … 392
10.6 DIE EINBETTUNG DER BABEL-ERZÄHLUNG IN DIE URGESCHICHTE … 394
10.6.1 Motivische Verbindungen mit Gen 2–3 … 395
10.6.2 Motivische Verbindungen mit Gen 4 … 397
10.6.3 Texte des Anfangs: Die Gibborim, Nimrod und die Entstehung der Völker in Babel … 400
10.6.4 Die Babelerzählung im Kontrast zur priesterlichen Sicht der Völkerwelt … 402
10.6.5 Der Ausgang der Sintflut und die Zerstreuung der Menschheit …403
10.7 STÄDTEBAU ALS SKLAVENARBEIT? BABELERZÄHLUNG UND ÄGYPTISCHE GEFANGENSCHAFT … 406
10.8 WELTREICH UND MENSCHHEIT – DIE BABELERZÄHLUNG ALS SUMME GESCHICHTLICHER ERFAHRUNG … 410
10.9 AUSWERTUNG: SUGGESTIVE HETEROGENITÄT ALS MERKMAL DER BABELERZÄHLUNG … 416
10.10 DIE FRAGE DER LITERARGESCHICHTLICHEN EINORDNUNG … 419
10.11 LITERATUR ZU K. 9 U.10 … 421
11. ABSCHLUSS … 425
REGISTER … 431
SACHREGISTER … 431
STELLENREGISTER … 437
My review of this book (in English) will be published in the Review of Biblical Literature later this year.

